Mathe bei Legasthenie: Handelt es sich wirklich um Dyskalkulie? Anzeichen & Lösungen

February 4, 2026 | By Aisha Bennett

Mathe kann sich wie ein unmögliches Puzzle anfühlen, wenn Symbole auf der Seite tanzen oder Zahlen sich weigern, im Kopf zu bleiben. Wenn Sie oder Ihr Kind bereits mit Leseproblemen zu kämpfen haben, fragen Sie sich vielleicht, ob es so etwas wie "Mathe-Legasthenie" gibt. Ist das Ringen mit Gleichungen nur eine weitere Nebenwirkung von Leseschwierigkeiten – oder etwas ganz anderes?

Sie sind nicht allein mit dieser Verwirrung. Viele Menschen gehen davon aus, dass Matheprobleme bei Legasthenie einfach dazugehören. Die Realität ist jedoch oft vielschichtiger. Zwar können Sprachverarbeitungsprobleme Mathe sicher erschweren, doch gibt es eine eigenständige Störung – oft "Mathe-Legasthenie" genannt –, die spezielle Strategien erfordert.

In diesem Leitfaden klären wir die Unterschiede zwischen Lese- und Mathe-Lernstörungen, benennen konkrete Warnzeichen und liefern umsetzbare Strategien. Wenn Sie unsicher sind, ob diese Herausforderungen auf Legasthenie oder eine spezifische Zahlen-Problematik zurückgehen, kann ein einfacher Online-Dyskalkulie-Test der erste Schritt sein, Ihr Lernprofil zu verstehen.

Verwirrter Schüler, der in ein Mathebuch schaut

Gibt es "Mathe-Legasthenie" wirklich? (Begriffsklärung)

Wenn Sie "Mathe bei Legasthenie" googeln, suchen Sie wahrscheinlich nach einem Namen für die Frustration im Matheunterricht. "Mathe-Legasthenie" ist zwar ein verbreiteter Begriff unter Eltern und Schülern, stellt aber keine offizielle medizinische Diagnose dar.

Warum Menschen von "Mathe-Legasthenie" sprechen

Der Begriff entsteht, weil sich die Erfahrung ähnlich wie Legasthenie anfühlt – nur mit Zahlen statt Buchstaben. Man vertauscht Ziffern, vergisst Abfolgen oder hat "Nebel" vor Augen bei Matheaufgaben. Es ist eine einfache Umschreibung für eine Lernschwäche, die das mathematische Denken betrifft.

Definition Dyskalkulie: Der "Zahlensinn"-Unterschied

Der korrekte klinische Begriff für eine spezifische Mathe-Lernstörung lautet Dyskalkulie.

Anders als Legasthenie, die vorwiegend Sprachverarbeitung und phonologisches Bewusstsein betrifft, beeinträchtigt Dyskalkulie den Zahlensinn – also die intuitive Fähigkeit, Zahlenbeziehungen zu verstehen, Mengen zu vergleichen und zu begreifen, dass die Zahl "5" für fünf Gegenstände steht.

Die Grenzen sind jedoch fließend. Ein Schüler kann Matheprobleme allein wegen Legasthenie haben (weil das Lesen der Aufgaben schwerfällt) oder aber unter echter Dyskalkulie leiden. Diese Unterscheidung ist entscheidend für die richtige Förderung.

Der versteckte Zusammenhang: Wie Leseschwächen Mathe beeinflussen

Sie fragen sich vielleicht: "Wenn ich keine Dyskalkulie habe, warum ist Mathe dann so schwer?" Die Antwort liegt in der sprachlastigen Vermittlung von Mathematik. "Mathe bei Legasthenie" bedeutet, die hohe Sprachbelastung in modernem Mathematikunterricht zu bewältigen.

Die Hürde von Textaufgaben (Sprachverarbeitung)

Für Legastheniker sind Textaufgaben zweischneidig. Bevor sie überhaupt rechnen können, müssen sie den Text entziffern.

  • Entschlüsselungserschöpfung: Bis der Schüler den Satz "Wenn John 30 Äpfel hat und die Hälfte an Mary gibt..." gelesen hat, ist sein Gehirn schon vom Lesen erschöpft.
  • Wortschatzlücken: Mathe hat ihre eigene Sprache ("Quotient", "Produkt", "Differenz"). Kann der Schüler diese Begriffe nicht abrufen, scheitert er bereits am Aufstellen der Gleichung.

Arbeitsgedächtnis: Zahlen im Kopf behalten

Legasthenie beeinträchtigt oft das Arbeitsgedächtnis – den "Notizzettel" des Gehirns. Kopfrechnen erfordert, Zahlen mental zu halten, zu verändern und sich Zwischenergebnisse zu merken. Bei überlastetem Arbeitsgedächtnis verschwinden diese Zahlen, bevor man sie notieren kann.

Diagramm zur Arbeitsgedächtnis-Überlastung bei Mathe

Reihenfolge und Logik: Die richtige Abfolge

Mathe lebt von Abfolgen. Schritte der schriftlichen Division oder die Rechenregeln (Punkt- vor Strichrechnung) müssen exakt eingehalten werden. Legasthenie kann die Abfolge-Verarbeitung stören, was zu ausgelassenen oder verdrehten Schritten führt – und damit zu falschen Ergebnissen trotz Verständnisses.

Legasthenie vs. Dyskalkulie: Die Unterschiede erkennen

Um die richtige Hilfe zu finden, müssen Sie wissen, worum es geht. Liegen die Fehler am falschen Lesen der Aufgabe – oder am fehlenden Zahlenverständnis?

Legasthenie-Fokus: Sprache & Entschlüsselung

Bei primärer Legasthenie zeigt sich:

  • Der Schüler rechnet korrekt, wenn man ihm die Aufgabe vorliest.
  • Textaufgaben sind ein Problem, rein mathematische Arbeitsblätter nicht.
  • Er vertauscht Zahlen (schreibt 12 als 21), ähnlich wie Buchstaben, versteht aber deren Wert.

Dyskalkulie-Fokus: Mengen & Zahlensinn

Bei Dyskalkulie geht die Schwierigkeit tiefer:

  • Der Schüler zählt noch lange an den Fingern, nachdem Gleichaltrige dies verlernt haben.
  • Er erkennt nicht sofort, welche von zwei Zahlen (z.B. 50 vs. 90) größer ist, ohne zu zählen.
  • Mustererkennung oder Mengenschätzungen ("Wie viele Murmeln sind im Glas?") fallen schwer.

Kann beides vorliegen? (Komorbiditäts-Link)

Ja, das ist häufig. Studien zeigen, dass viele Menschen mit Leseschwächen auch Mathe-Lernstörungen haben (sog. Komorbidität).

Wenn Sie mehr als nur Leseprobleme vermuten, kann ein Online-Test helfen, diese überlappenden Symptome zu trennen.

Typische Anzeichen: Kommen Ihnen diese Kämpfe bekannt vor?

Die Anzeichen von "Mathe bei Legasthenie" (oder Dyskalkulie) erkennen Sie im Alltag oft leichter als in Tests durch spezifische, wiederkehrende Situationen.

Probleme mit Symbolen und Uhren

  • Symbolverwechslung: Ständiges Vertauschen von Rechenzeichen (+, x), oder Unsicherheiten beim Entnehmen (z.B. "minus").
  • Zeitblindheit: Schwierigkeiten mit analoger Uhr oder kein Gefühl dafür, wie lange "20 Minuten" wirklich dauern.

Schätzungen von Kosten und Dauer

  • Einkaufsstress: Unfähigkeit, Gesamtpreise im Einkaufswagen zu schätzen oder Wechselgeld zu berechnen.
  • Budgetprobleme: Als Erwachsener scheitern Sie an monatlichen Budgets, weil Zahlen abstrakt und bedeutungslos erscheinen.

Visualisierung von Dyskalkulie-Anzeichen wie Uhren und Geld

Anhaltende Zahlenangst

  • "Freeze"-Reaktion: Bei Mathefragen wird der Geist plötzlich leer. Das ist nicht nur Nervosität, sondern eine neurologische Blockade.
  • Vermeidung: Große Mühen, mathehaltige Situationen zu umgehen – wie geteilte Restaurantrechnungen oder punktebasierte Brettspiele.

Unklare Ursache? Werfen Sie einen genaueren Blick

Es ist völlig normal, jetzt verwirrt zu sein. Die Symptome von Legasthenie und Dyskalkulie überschneiden sich stark – insbesondere bei Arbeitsgedächtnis und Ängsten –, dass die Grenze schwer zu ziehen ist.

Warum Klarheit der erste Schritt zur Besserung ist

Die Ursache zu verstehen dient nicht der Etikettierung, sondern der Tools-Auswahl:

  • Bei Legasthenie: Brauchen Sie Sprachausgabe-Tools und hervorgehobene Schlüsselwörter.
  • Bei Dyskalkulie: Benötigen Sie visuelle Hilfen, Materialien und kariertes Papier.

Probieren Sie unser Screening-Tool aus

Wenn Sie Ihre Situation genauer beleuchten möchten, haben wir ein Instrument entwickelt. Es analysiert spezifische Muster mathematischer Schwierigkeiten, die über Lesefehler hinausgehen.

Das Tool bietet zwar keine medizinische Diagnose, dient aber als wichtige Grundlage, um zu prüfen, ob Ihre Merkmale auf Dyskalkulie hindeuten. Starte das Dyskalkulie-Screening.

Bewährte Strategien: Multisensorik & mehr

Egal ob Mathe bei Legasthenie oder Dyskalkulie – die gute Nachricht ist: Auswendiglernen ist nicht der einzige Weg. Multisensorische Ansätze bieten dem Gehirn eine "Hintertür", um Konzepte zu verankern.

Multisensorisches Lernen: Materialien & Visualisierung

Hören Sie auf, alles im Kopf lösen zu wollen. Machen Sie Mathe greifbar:

  • Anschauungsmittel: Nutzen Sie Bauklötze, Perlen oder Legosteine, um Zahlen darzustellen. Zu sehen, dass "5" physisch größer ist als "3", stärkt den Zahlensinn.
  • Zeichnen: Skizzieren Sie Aufgaben. Bei einem Apfelproblem malen Sie Kreise.

Farbige Bausteine für multisensorisches Mathelernen

Strategien für Textaufgaben

Umgehen Sie die Lesebarriere:

  • Markier-Methode: Lesen Sie die Aufgabe einmal. Markieren Sie dann nur die Zahlen und Handlungswörter ("gab weg", "insgesamt").
  • Skizze zeichnen: Übersetzen Sie den Text in eine Comic-Strip oder Grafik. So wandern Daten vom Sprach- ins Sehzentrum.

Schulische Nachteilsausgleiche

Bei diagnostizierter Lernschwäche stehen mögliche Nachteilsausgleiche zur Verfügung:

  • Kariertes Papier: Hilft gegen Zahlendreher in Spalten.
  • Formelblätter: Ersetzen Sie fehlendes Arbeitsgedächtnis durch Prompts (z.B. Einmaleins-Tabelle).
  • Taschenrechner: Erlaubnis zur Ergebnisprüfung, damit das Konzept im Fokus bleibt – nicht die Rechnung.

Ausblick: Verständnis als Basis der Hilfe

Mathe-Schwierigkeiten bei Legasthenie bedeuten nicht, dass Sie "schlecht in Mathe" sind. Ihr Gehirn verarbeitet Symbole und Abfolgen einfach anders. Viele erfolgreiche Architekten, Ingenieure und Künstler mit Legasthenie haben Wege gefunden, Mathe zu meistern.

Der Weg beginnt mit der Hürden-Identifikation. Liegt es am Lesen? Am Zahlensinn? Oder an beidem? Wissen Sie den Feind, wählen Sie die richtige Waffe.

Lassen Sie nicht zu, dass der Kampf Ihr Potenzial definiert. Wenn Sie bereit sind, Ihr Lernprofil zu verstehen, machen Sie den Dyskalkulie-Test – und beginnen Sie den Weg zu mehr Sicherheit.

Häufige Fragen

Kann man bei Legasthenie gut in Mathe sein?

Ja, absolut. Legasthenie betrifft primär Sprachverarbeitung. Bei intaktem Zahlensinn kann man exzellent in anspruchsvoller Mathematik (Geometrie, Analysis) sein – auch wenn Textaufgaben Probleme bereiten.

Sind Zahlendreher ein Legasthenie- oder Dyskalkulie-Anzeichen?

Beides möglich, mit unterschiedlichen Ursachen:

  • Legasthenie: Zahlendreher (z.B. 3 gespiegelt) sind visuell-räumliche Probleme – wie Buchstabenverdreher (b und d).
  • Dyskalkulie: Zeugen von mangelndem Stellenwert-Verständnis (31 statt 13 schreiben).

Habe ich Dyskalkulie oder Matheangst?

Matheangst ist emotional, Dyskalkulie neurologisch. Ein Test: Können Sie im entspannten Alleinsein Wechselgeld schätzen oder Uhren lesen? Wenn nicht, könnte Dyskalkulie vorliegen. Verschwinden diese Fähigkeiten nur bei Tests, ist es eher Angst.

Gibt es eine "Heilung" für Mathe-Lernstörungen?

Keine medizinische "Heilung", denn Ihr Gehirn ist einfach anders. Mit Interventionen (multisensorische Lehrmethoden) lassen sich Fähigkeiten aber deutlich verbessern. Sie können Mathe meistern – auf anderen Wegen.

Beeinträchtigt Legasthenie das Geldzählen?

Indirekt, ja. Legasthenie kann das Lesen von Münz-/Scheinwerten erschweren (wenn diese textbasiert sind). Probleme bei der Gesamtwert-Berechnung oder Wechselgeld-Herausgabe deuten eher auf Dyskalkulie hin.